Suchfunktion
Landgericht Freiburg zieht Bilanz: Neue Standorte, steigende Verfahrenszahlen, mehr Digitalisierung
Datum: 15.09.2026
Kurzbeschreibung: Beim diesjährigen Jahrespressegespräch berichtete die Präsidentin des Landgerichts Freiburg gemeinsam mit den beiden Pressesprechern und zwei Vorsitzenden Richtern über die Entwicklungen in den letzten Jahren.
Seit dem letzten Pressegespräch habe sich vor allem räumlich für das Landgericht Vieles verändert, betonte sie zu Beginn.
Neue Standorte statt Salzstraße 17
Das traditionsreiche Gerichtsgebäude in der Salzstraße 17 stehe seit Ende 2025 leer; die Sanierung des historischen Sickingen-Palais habe bereits begonnen. Grund für die Sanierungsmaßnahme seien mangelnde Sicherheit, unzureichender Brandschutz und eine Vielzahl baulicher Mängel gewesen. Außerdem solle ein großer Sitzungssaal im Innenhof den veränderten Bedürfnissen bei großen Strafverfahren mit einer Vielzahl an Beteiligten Rechnung tragen.
Die Präsidentin erklärte, das Gericht sei seit Dezember 2025 auf fünf Standorte, darunter drei neu angemietete Liegenschaften verteilt – zudem seien im zentralen Prozessgebäude an der Heinrich-von-Stephan-Straße drei Sitzungssäle für die Großen Strafkammern sowie vier neue, modern ausgestattete Sitzungssäle für Zivilverhandlungen im Gebäude des Oberlandesgerichts in der Salzstraße 28 eingerichtet worden. Der Umzug eines Gerichts dieser Größe im laufenden Betrieb sei ein Kraftakt gewesen, der aber gut gelungen sei; anfängliche Schwierigkeiten seien inzwischen überwunden. Der erste Bauabschnitt mit der geplanten Aufstockung des Gebäudes im rückwärtigen Bereich sei bereits in vollem Gange, der zweite Abschnitt mit dem Ausbau und der Sanierung der Bestandsräume solle sich unmittelbar anschließen; die Gesamtbauzeit sei bis Anfang 2032 vorgesehen.
Konstant hohe Zahlen in Zivilsachen, deutlicher Anstieg in Strafsachen
In Zivilsachen liege die Zahl der Verfahren seit Jahren konstant auf hohem Niveau – zuletzt bei rund 2.700 pro Jahr. Der Aktenbestand habe sich dabei kontinuierlich verringert. Besonders hervorzuheben sei die hohe Vergleichsquote von 56,1 Prozent. Im laufenden Jahr sei die Zahl der erstinstanzlichen Verfahren aufgrund der Streitwerterhöhung auf 10.000 Euro leicht zurückgegangen.
Demgegenüber sei die Zahl der Verfahren vor den Großen Strafkammern erheblich gestiegen – die Präsidentin nannte als mögliche Gründe eine veränderte Anklagepraxis der Staatsanwaltschaft sowie die Personalverstärkung bei den Staatsanwaltschaften der noch keine Personalverstärkung bei den Gerichten gegenüberstehe. Zum Jahreswechsel werde deshalb mit Hilfe einer aus den Zivilkammern verschobenen Vorsitzendenstelle eine neue Strafkammer eingerichtet.
Pressesprecher Richter am Landgericht Dr. Herbert berichtete über die erhöhte Komplexität der beim Landgericht verhandelten Strafsachen und die damit verbundenen steigenden Herausforderungen. Er rief die Verfahren namentlich in Erinnerung, die am Landgericht Freiburg in den Jahren 2025/2026 verhandelt wurden und besonders im Fokus der Öffentlichkeit standen.
Die beiden Vorsitzenden Dr. Anne Kaltenbach und Dirk Loescher sowie der weitere Pressesprecher Richter am Landgericht Dr. Wurch gaben Einblicke in die vielfältige Arbeit der Zivilkammern in Bau- und Pressesachen sowie in Arzthaftungsverfahren und erläuterten die Tätigkeit der Güterichterabteilung beim Landgericht Freiburg.
Digitalisierung schreitet voran
Die elektronische Akte sei mittlerweile in allen Fachbereichen eingeführt, in Zivilsachen werde bereits durchgängig elektronisch gearbeitet. Auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz nehme zu: Den Richterinnen und Richtern stünden inzwischen mehrere KI-gestützte Anwendungen zu Recherche, Anonymisierung und Textstrukturierung zur Verfügung. Der Mensch bleibe dabei stets alleinverantwortlicher Entscheider, betonte die Präsidentin.
Abschließend hielt sie fest: Das Landgericht Freiburg erfülle seine Aufgaben auch unter den veränderten Rahmenbedingungen weiterhin zuverlässig und effizient.
